Weinbau, wo man ihn nicht erwartet
Auf der Insel Rügen, die vor allem für ihre Kreidefelsen, Strände und Seebäder bekannt ist, entsteht ein außergewöhnlicher Wein. Bei meinem Besuch im Weingut Hohmann in Lancken-Granitz konnte ich mir selbst ein Bild von diesem besonderen Weinbauprojekt machen.
Weinbau auf Rügen: Ein ungewöhnliches Anbaugebiet
Weinbau auf einer Ostseeinsel ist alles andere als alltäglich. 2018 legten Simone Hantke und Mario Hohmann ihren Weinberg mit Unterstützung des befreundeten Weinguts Apel aus Nittel an der Mosel und zahlreichen Helfern an. Auf knapp einem Hektar wachsen rund 4.100 Rebstöcke der Rebsorte Souvignier Gris.
Die Lage mit leichter Hangneigung und Süd-Südwest-Ausrichtung bietet den Reben gute Voraussetzungen. Gleichzeitig stellt das eher feuchte Klima Rügens besondere Anforderungen an den Weinbau. Hier kommt die Wahl der Rebsorte ins Spiel.

Souvignier Gris: Eine pilzwiderstandsfähige Rebsorte
Souvignier Gris wurde 1983 am Staatlichen Weinbauinstitut Freiburg aus Cabernet Sauvignon und Bronner gezüchtet und gehört zu den sogenannten PIWI-Rebsorten. Diese pilzwiderstandsfähigen Rebsorten besitzen eine höhere natürliche Widerstandsfähigkeit gegenüber bestimmten Pilzkrankheiten. Dadurch können Pflanzenschutzmaßnahmen reduziert werden.
Das ist gerade für den Weinbau auf Rügen von Bedeutung. Das Weingut Hohmann setzt nach eigenen Angaben auf den Verzicht von Kunstdünger und synthetischen Fungiziden und möchte den Weinberg auf ökologischer Basis weiterentwickeln.
Mein Besuch beim Weingut Hohmann
Bei meinem Besuch im Weinberg hatte ich Gelegenheit, Mario Hohmann persönlich kennenzulernen. Er betreibt dieses bemerkenswerte Projekt mit viel persönlichem Einsatz und setzt dabei auf ein nachhaltiges Anbau- und Bewirtschaftungskonzept.

Die Weinmenge ist stark begrenzt und soll laut Weingut maximal rund 3.000 Liter im Jahr betragen. Die jährliche Weinlese wird durch zahlreiche Helfer unterstützt. Nach der Lese werden die Trauben zum Weingut Apel an die Mosel transportiert, wo die weitere Verarbeitung erfolgt.
Diese Zusammenarbeit verbindet die ungewöhnliche Herkunft der Trauben mit der Erfahrung eines moselländischen Familienweinguts.
Ein Inselwein mit Charakter
Der Souvignier Gris 2024 zeigt, dass außergewöhnliche Weinanbaugebiete nicht nur eine interessante Geschichte, sondern auch charaktervolle Weine hervorbringen können.
Bei meiner Verkostung präsentierte sich der Wein saftig und fruchtig, mit spürbarer, doch moderater Säure und einem vollen Mundgefühl. Im Abgang bleibt eine leicht salzige Note zurück, die gut zu seiner Herkunft von der Ostseeinsel passt.
Auch die Fachwelt hat den Wein wahrgenommen: Das Genussmagazin Falstaff bewertete den Jahrgang 2024 im Tasting mit 92 Punkten.

Nachhaltiger Weinbau und die Zukunft der PIWI-Rebsorten
Pilzwiderstandsfähige Rebsorten wie Souvignier Gris können eine wichtige Rolle spielen, wenn der Weinbau nachhaltiger werden soll. Ihr Potenzial liegt darin, den Bedarf an Pflanzenschutzbehandlungen zu reduzieren. Das kann Ressourcen schonen und die Arbeit im Weinberg verändern.
Das Projekt auf Rügen zeigt, wie Winzer mit einer passenden Rebsortenwahl und angepassten Anbaumethoden neue Wege in einem ungewöhnlichen Weinbaugebiet gehen.

Mein Fazit: Rügen kann Wein
Meine Reise zum Weingut Hohmann auf Rügen hat mir gezeigt, wie spannend Weinbau abseits der bekannten deutschen Anbaugebiete sein kann.
Der Souvignier Gris ist ein echter Exot aus deutschen Landen und Paradebeispiel für einen maritimen Wein. Ein Wein für alle, die sich überraschen lassen wollen, was in Deutschlands Norden möglich ist!
