Auf den Spuren der Curaçao Winery

Wenn die deutsche Nationalmannschaft am 14. Juni 2026 bei der Fußball-WM auf Curaçao trifft, werden die meisten Zuschauer an karibische Strände, türkisfarbenes Wasser und den berühmten Blue Curaçao Likör denken. An Wein hingegen vermutlich die wenigsten.

Dabei gab es auf der Karibikinsel vor einigen Jahren ein ebenso ungewöhnliches wie ambitioniertes Projekt: den Versuch, auf Curaçao professionellen Weinbau zu betreiben.

Curaçao Winery: Das Weinbauprojekt auf Curaçao

Was zunächst wie eine verrückte Idee klingt, schien tatsächlich vielversprechend. 2014 legte das niederländische Winzer-Ehepaar Roelof und Ilse Visscher auf dem Landgut Hato nahe des Flughafens einen Weinberg an. Die Vision war ehrgeizig: Aufgrund des tropischen Klimas sollten die Reben nicht nur einmal jährlich, sondern sogar zwei- bis dreimal pro Jahr Trauben liefern. Die größte Herausforderung war dabei nicht die Temperatur, sondern die Wasserversorgung. Bereits damals galt Wasser als limitierender Faktor für einen wirtschaftlichen Ausbau des Projekts.

Roelof und Ilse Visscher von der ehemaligen Curaçao Winery

2015 sorgte das Projekt international für Aufmerksamkeit. Die Curaçao Winery wurde in Reisemagazinen vorgestellt und sogar auf der ProWein in Düsseldorf als besonders innovatives Weinprojekt präsentiert.

Anlässlich der neu geschaffenen Sonderschau „same but different“, die außergewöhnliche Ideen in der Weinwelt vorstellte, lernte ich Ilse Visscher persönlich kennen.

Spurensuche bei der ehemaligen Curaçao Winery

Rund zehn Jahre später, während meines Karibikurlaubs im März 2026, begab ich mich an den Ort dieses außergewöhnlichen Weinexperiments. Zwar war mir bekannt, dass das Weingut nicht mehr existierte. Dennoch wollte ich sehen, ob sich vor Ort noch Spuren davon finden lassen würden.

Es zeigte sich jedoch schnell, dass von dem Projekt kaum etwas geblieben war. Das Gelände war nicht mehr öffentlich zugänglich, und Hinweise auf den einstigen Weinberg waren nicht zu erkennen. Die großen Hoffnungen, die damals geweckt worden waren, hatten sich letztlich nicht verwirklicht. Heute würde kaum noch jemand ahnen, dass hier einst Reben wachsen sollten.

Warum die Curaçao Winery scheiterte

Dass es die Curaçao Winery nicht mehr gibt, lag allerdings offenbar nicht allein an den Herausforderungen des tropischen Weinbaus. Streitigkeiten mit dem Flughafenbetreiber und behördliche Auflagen spielten wohl ebenfalls eine Rolle. Die Geschichte zeigt damit weniger, dass Weinbau in der Karibik unmöglich wäre, als vielmehr, wie schwierig es sein kann, ein solches Pionierprojekt dauerhaft zu etablieren.

Wer daraus den Schluss zieht, dass Weinbau auf tropischen Inseln grundsätzlich nicht funktionieren kann, greift deshalb zu kurz. Denn während das Projekt auf Curaçao letztlich aufgegeben wurde, gibt es an anderer Stelle einen bemerkenswerten Gegenbeweis.

Impressionen vom Weingut Vin de Tahit im Südpazifik

Vin de Tahiti – Erfolgreicher Weinbau in den Tropen

Mitten im Südpazifik, am anderen Ende der Welt, entsteht auf Tahiti seit Jahren erfolgreich Wein unter Bedingungen, die viele Experten ursprünglich ebenfalls für ungeeignet hielten. Der Weinberg von Vin de Tahiti liegt nämlich auf dem Atoll Rangiroa in Französisch-Polynesien. Auch dort herrschen tropisches Klima, intensive Sonneneinstrahlung und ganz andere Bedingungen als in klassischen Weinregionen Europas.

Dennoch gelingt es dem Weingut seit Jahren, hochwertige Weine zu erzeugen, die international Aufmerksamkeit erregen. Vin de Tahiti steht damit exemplarisch für den Pioniergeist, im Weinbau immer wieder Neues zu erproben.

Vielleicht liegt genau darin die Faszination solcher Weine: Sie erzählen Geschichten von Menschen, die bereit sind, Grenzen zu verschieben und neue Wege zu gehen.

Was Curaçao, Tahiti und Thailand verbindet

Der gescheiterte Versuch auf Curaçao macht deutlich, wie schwierig Weinbau außerhalb der klassischen Anbaugebiete sein kann.

Das Beispiel Tahiti zeigt hingegen eindrucksvoll, dass ungewöhnliche Herkunftsländer nicht zwangsläufig exotische Kuriositäten bleiben müssen. Und auch die → Monsoon Valley Weine aus Thailand belegen, dass erfolgreicher Weinbau unter tropischen Bedingungen möglich ist.

Deshalb faszinieren mich solche Weine. Nicht weil sie besser sind als ein Bordeaux, Riesling oder Rioja. Sondern weil sie beweisen, dass Wein immer auch Entdeckerfreude, Experiment und Abenteuer sein kann.

Und darum lohnt es sich gerade jetzt, beim Blick auf die WM-Teilnehmerländer nicht nur an Fußball zu denken – sondern auch daran, welche überraschenden Weingeschichten sich hinter ihnen verbergen.

 

Bildnachweis: Curaçao Winery, Vin de Tahiti

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